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Buch: Widerstandsgeschichten

11 Feb

Hallo Zusammen,

Wir haben eine Bitte an euch. Die Baumpoeten haben eine Idee: ein Buch vom Widerstand für den Widerstand. Wir suchen eure schönsten Widerstandsgeschichten. Lustiges, Trauriges, Absurdes usw.
Schreibt sie auf und schickt sie an:

baumpoeten@gmail.com

Am Ende soll ein Zeitdokument entstehen mit Bildern und Geschichten. Es soll dieser einzigartige Widerstand in seiner schönen Art erzählt werden. All das, was die Medien nie schreiben. Eure Geschichten werden natürlich mit eurem Namen gekennzeichnet, sofern ihr ihn druntersetzen wollt.

Wir hoffen auf eure Mithilfe.

Die Unermüdlichen

10 Feb

Sie ist Treffpunkt. Sie ist Informationszentrale. Manchmal fühlt sie sich wie eine Touristeninformation. Sie bekommt Anfeindungen, Lob, Bewunderung, Verständnis, Humor, Klagen oder Lebensgeschichten ab. Sie steht seit über einem halben Jahr. Sie lebt von Engagement, freier Zeit vieler Menschen, Kaffee, Tee und Spenden. Sie hält viel aus, und gibt viel raus.

Wir alle müssen uns bedanken – bei der Mahnwache, die nicht das Zelt sondern die Menschen ist. Menschen mit Wahnsinnsgeduld und rießen Motivation.

Wer weiß wie lange die Mahnwache noch an ihrem Platz stehen wird?

Die folgenden Bilder sind der Mahnwache gewidmet DANKESCHÖN:


Baden Württemberg kündigt Politikerverpflanzung an

9 Feb

Seit fast 50 Jahren stehen Politiker derselben Gattung an der Spitze Baden- Württembergs, nun sollen sie verpflanzt werden. Hauptsächlich handelt es sich um die Arten CDU und FDP die von der Verpflanzung betroffen sind. Sie sollen durch fairere, gerechtere und ehrlichere Politiker ersetzt werden. Längst überfällig meint ein Experte: „Nach 50 Jahren haben die Politiker einen nicht mehr kontrollierbaren Filzpilz angesetzt…“. Er führte fort, dass dies für diese Art nicht selten sei, auch andere Bundesländer hätten ähnliche Probleme.

Proteste erwartet

Eine Sprecherin der IG-Bürger läuft Sturm gegen das Projekt der Verpflanzung: „Es handelt sich hier um Politiker der sehr alten Schule, diese umzupflanzen wäre unverantwortlich, und würde nur dem Vorhaben dienen,  gegen welches die IG-Bürger schon lange kämpft!“ Sie kündigte im Fall einer Verpflanzung des regierenden Politikerbestandes Proteste an. „Wir werden uns auch an Mappus, Gönner und Rech anketten!“, so die Sprecherin. Es ist mit Aktionen des zivilen Ungehorsams zu rechnen.

In den letzten Jahren Politiker Verpflanzungen erfolgreich

Die Sorge, den Politikern könnte etwas passieren ist allerdings unbegründet. Bereits Ende 2009 kam es zu einer Verpflanzung. Damals wurde der Politiker Günter H. Oettinger zu seinem neuen Standort in Brüssel verpflanzt.  Für die jetzt betroffenen Politiker stehen die Standorte allerdings noch nicht fest. Allerdings sprechen Gerüchte von mehreren Standpunkten: der Wirtschaft, den Medien, und den Ausbau der CDU- und FDP-Bestände in Berlin.

Baden Württemberg nennt Datum des Einsatzes

Da mit heftigem Widerstand aus dem gewaltbereiten konservativen Milieu zu rechnen ist, wird wohl ein Großeinsatz der Mutbürger nötig sein. Es gibt zwei Termine. Der Erste soll bereits am 27. März diesen Jahres stattfinden. Sollte dieser Einsatz schief laufen, wird fünf Jahre später damit gerechnet. Bis dahin wird der Einsatz akribisch vorbereitet werden. Allerdings geht man davon aus, dass bereits der erste Einsatz erfolgreich verlaufen wird.

Leben statt Stahl und Beton

7 Feb

2002 – Ich war gerade zwölf Jahre alt, meine Hosen hingen tief und die Pullis hätte man auch als Zweimannzelt verwenden können. Im Radio nahm ich Kassetten auf, es lief Blumentopf, Freundeskreis und die Absoluten Beginner. Rap auf Deutsch hatte mich geflasht. Meine große Schwester erzählte aus dem 0711 Club, und  ich zählte die Jahre bis ich dann auch einmal in das Prag gehen könnte. Aber als ich dann so alt war lief kein HipHop mehr im Prag, es dauerte nicht lang und es gab gar kein Prag mehr. Alternative Plätze sind in Stuttgart rar geworden. Stuttgart 21 gefährdet viele einsame Kämpfer in einer Stadt, die bunte Lebendigkeit nicht zu wollen scheint.

Ich habe mich noch nie sonderlich in die Clubs gezogen gefühlt, die sich um den Palast herum, an der Theo Heuss angesiedelt haben. Ich habe es noch nie akzeptiert, mir bestimmte Klamotten anziehen zu müssen, um feiern zu gehen. Ich möchte nicht meine Freiheit beschneiden, um Spaß zu haben. Also waren es die alternativen Plätze, die mir sympathisch wurden und wo ich mich gerne aufhielt.

Das erste Konzert in der Röhre, der erste Absturz im Prag, das Versacken im Oblomow oder Klänge vom Balkan in den Wagenhallen. In den Waggons war ich eigentlich nie, ein bitterer Fehler. All diese Räume sind Freiräume für frei denkende Menschen, für Künstler, für Aussteiger, für Banker, die sich für die Nacht aus ihrem Anzug ins Leben geschmissen haben.

Nun stehen die Waggons am Nordbahnhof und die Röhre kurz vor dem Aus. Die Wagenhallen und der Landespavillon, sowie das Rockers33 haben eine Galgenfrist erhalten.  Ich habe keine Ahnung, ob mich das traurig, wütend, enttäuscht machen oder ein Cocktail aus allem sein soll.

Vermutlich ist es ein grundsätzliches Problem dieser Stadt. Sie zerstört sich selbst. Sie baut Konsumtempel aus Stahl, Glas und Beton, welche Tag für Tag gut gefüllt sind, aber eben nur zu den Ladenöffnungszeiten. Konsumieren, konsumieren, aber verweilen tut hier nur jemand, wenn er sich die Füße im Einkaufsrausch Wund gelaufen hat. Doch Orte, wo es bunt ist, wo es lebt, wo sich Menschen gerne aufhalten, weil sie keine Heizung sondern menschliche Wärme spüren wollen, werden geräumt, zerstört, zubetoniert oder bestenfalls verschoben. Doch mit jedem dieser Orte fehlt ein Teil, im Mosaik „Stadt“.

Ich möchte hinausschreien: „Nehmt euch die Orte, nehmt euch die Freiheit, die ihr braucht. Besetzt die Häuser, macht die Stadt bunt! Grau ist doch nicht das, was ihr wollt. Selbst jedem tollen Schwarzweißfoto geht ein farbiges Motiv vorran.

Unser Brief an Tanja

11 Jan

Liebe Tanja,

du hast Namenstag und deshalb wollen wir, die Bezugsgruppe „Baumpoeten“, dir ein Geschenk machen. Wir schenken dir einen Stresstest-Gutschein. Einlösen werden wir ihn bei Zeit, denn wir leisten Widerstand gegen das Projekt, das du mit so viel Leidenschaft, Profitgier und Filz verteidigst.

Wir finden deine Arbeit wirklich beeindruckend, großartig aber vor allem bescheiden. Wir danken dir, denn seit der Schlichtung ist nicht mehr Florian Silbereisen das Nervigste auf den Öffentlich-Rechtlichen, sondern du. Genau, weil du so toll „wärbn“ kannst. Wir sind echt froh über deinen Namenstag, weil es einfach Zeit ist, uns bei dir zu bedanken. Dank dir haben wir ein neues Feindbild und da ein wirklich Herausstechendes zu finden ist bei so vielen auf dieser Welt nicht einfach.

Wir danken dir auch für deine unsympathische Art, man stelle sich vor ein Karl Theodor hätte das Projekt vertreten, dann hätten wir neben einem neuen Bahnhof noch die Monarchie und ein neues Versailles, mit dem Unterschied, dass es keine Proteste gäbe.

Aber jetzt mal im Ernst, wir machen uns schon ein wenig Sorgen um dich. Schlägt das nicht ganz schön auf den Magen, überall ausgepfiffen zu werden? Wir hoffen, das Baden mit der BILD im Leuze hat dich etwas entspannt. Du glaubst nicht, dass wir das wirklich ernst meinen? Oh doch, wir haben Angst, dass du vor dem März zurücktrittst und wir nicht mehr eigenhändig für deine Abwahl sorgen können! Das wäre doch schade.

Falls wir nichts mehr von einander hören, wünschen wir dir „Viel Spaß!“, in deinem neuen Job als „Wärbefachfrau“.

Mit viel Liebe, deine

Baumpoeten

Protestsongs am Lagerfeuer

4 Nov

Die Baumpoeten verbringen ihre Zeit nur damit, den Park zu vermüllen, sich von ihrem Berufsdemonstranten-Lohn zu betrinken und zu randalieren. Wir lassen instrumentalisierte Kinder für uns arbeiten, indem sie Protestsongs schreiben.

Aber auch die Berufsdemonstranten müssen sparen, also haben wir das Video in China produzieren lassen. Hier ist es:

Protesteindrücke

31 Okt

Damit im Blog schon etwas los ist, hier noch ein älterer Text von mir über Eindrücke die ich gesammelt habe.

Es ist circa sieben Uhr am Morgen, verwuschelte Haare schauen aus den Schlafsäcken. Langsam schauen sich verschlafene Augen um. Auf dem Schlafsack haben sich kleine Wassertropfen gebildet. Der Duft von frischem Kaffee weht durch den Park, genauso auch vor dem Nordflügel. So fällt es vielen leichter aus der wohligen Wärme der Decken und der Schlafsäcke zu steigen. Der erste Schluck vom warmen Tee oder Kaffee, ein Zug an der Zigarette oder ein Biss in den Apfel; es herrscht eine besondere Stimmung. Die Demonstranten haben eine lange Nacht hinter sich.

Die Abendsonne taucht den Schlossgarten in ein Meer aus Grün und Gold. Eigentlich ist es ein Tag wie jeder andere – auch im Park der Schwäbischen Hauptstadt: Jogger, Radfahrer, Spaziergänger und Menschen, die einfach nur kurz die Seele baumeln lassen und im Gras liegen. Sie liegen im Schatten unter wunderschönen alten Platanen. Doch etwas trübt das Bild. Es sind mehrere Plakate, die an den Bäumen hängen. Sie zeigen ein Schwarzes “X“, auf vielen steht „Opfer“. In mehreren Monaten würde an der Stelle, wo der Vater gerade mit seinen Kindern spielt, eine riesige Baugrube klaffen. Schluss mit dieser Vorstellung; es ist 19 Uhr und der ruhige Schlossgarten wird von einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert durchdrungen: Es ist Schwabenstreich und die Bürger und Parkschützer blasen ihre Wut in Trillerpfeifen und Tröten. Wut, die vereint. Man kennt sich und kennt man sich nicht, so kommt man doch anhand der „Parkschützer“- und „Oben Bleiben!“ – Buttons ins Gespräch.
Im Park haben sich kleine Gruppen um einzelne Bäume gebildet, es sind die Parkschützer an ihren Bäumen und sie schmücken sie. Eine Gruppe hängt tibetische Gebetsfahnen auf und zündet Kerzen an. Seit Tagen ist der Schlossgarten ein reines Lichtermeer bei Nacht. Die Stimmung ist gut, es wird Gitarre gespielt und gesungen. In den Gesprächen machen sich die Parkschützer und Demonstranten Mut, sie lassen ihre Wut und ihren Frust heraus und teilen diese Gefühle miteinander. Sie richten sich ein Lager für die Nacht ein. Die Demonstranten wissen: die Nacht wird lang und auch unangenehm. Seit der Räumung des Baumhauses der Robin Wood Aktivisten sind die Parkschützer in Alarmbereitschaft. Täglich gibt es neue Gerüchte, deswegen fällt es vielen schwer einzuschlafen. Aber die Parkschützer haben vorgesorgt, sie schützen die Bäume, um zu verhindern, dass bei einem Neubau die frischen Bäume an die falschen Stellen gepflanzt werden und somit die Frischluftschneise, die grüne Lunge der Stadt, stören.

Eine ältere Frau erzählt einem Passanten „Wissen se, wir haben damals nach dem Krieg g´frohren, aber nicht mal da haben wir die Bäume für ein bisschen Brennholz angerührt. Die Platanen, welche mehrere 100 Jahre alt sind, haben den ersten wie den zweiten Weltkrieg überstanden und fallen nun den Sägen der S21-Planer zum Opfer.“ Aber auch hier sind die Bäume Symbol; wie der Bahnhof für die Demokratie und dem Wunsch der Bürger nach Partizipation.
Es ist bereits dunkel geworden, die ersten Personen, welche die Nacht im Park verbringen, liegen auf ihren Isomatten und quatschen. Ein Wind zieht auf und kurz darauf folgt der Regen, doch nach Hause gehen sie nicht. Die Demonstranten verkriechen sich unter Planen oder ziehen ihr Lager in Unterführungen um. Dort wird wieder gesungen und getanzt, Passanten setzen sich dazu. Eine Journalistin setzt sich zu der Gruppe, die hinter der Klett-Passage nächtigt. Die Stimmung ist locker. Dort sitzen viele Jugendliche, Frauen und Männer mittleren Alters und hin und wieder läuft auch der ein oder andere Rentner vorbei. Die meisten von ihnen müssen am nächsten Tag zur Arbeit oder in die Schule oder zur Uni, was sie aber nicht vom Wache Halten abhält. Sie reden mit der Journalistin, sie sind ruhig dabei. Nur manchmal zieht die Stimme an, vor allem dann, wenn es um die Politiker geht, die Betonköpfe, die Angst haben, mit ihnen ernsthafte Gespräche zu führen. Dabei wollen sie doch nur zwei Dinge, da ist sich die Mehrheit der Gruppe einig. Erstmal einen Baustopp und möglichst einen Volksentscheid. Die Journalistin, schreibt fleißig mit auf ihrem Notizblock und die Demonstranten singen ihr eines ihrer Protestlieder vor. Es ist bereits kurz vor drei.

Zu so später Stunde kochen die Emotionen noch einmal hoch, es geht um die Kriminalisierung der Proteste, die Einzelfälle, welchen einen so friedlichen Protest nach außen in ein schlechtes Licht rücken. Die „BILD“ schreibt „Chaoten“, aber das wollen sie nicht sein. Die Parkschützer berichten der Journalistin von der ständigen Überwachung der Polizei. In dieser Zeit dreht eben diese mit circa vier Einsatzwägen ihre Kreise im Park. Eines fährt plötzlich zu der Gruppe in die Unterführung und es wird gefragt, was sie tun. Die Demonstranten diskutieren darauf hin circa eine halbe Stunde mit dem Beamten. Am Ende zeigen sie, die Polizei ist nicht ihr Gegner. Darum hört man wieder singende Stimmen, welche ein gemeinsames Lied für die Polizei und die Demonstranten wiedergeben. „Warum zwingt ihr uns hier zu sein, Mappus, Drexler, Schuster… Familie und Job sind doch daheim…“ Der Polizist hört sich das Lied an und verschwindet nach ein paar Anmerkungen wieder.

Nun kehrt auch wieder Ruhe ein. Die Meisten sind müde von den langen Diskussionen und legen sich Schlafen. Andere wiederum werden die ganze Nacht kein Auge zu machen. Kein Wunder – am nächsten Tag geht der Abriss 300 Meter Luftlinie entfernt weiter und die Baufahrzeuge müssen blockiert werden.